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Prioritäten in der Natur

Jeder muss für sich seine eigenen Werte und Normen in der Natur finden und sollte dabei nie den Blick auf seine Umwelt verlieren.

Wie am Vorabend sitze ich auch beim Frühstück neben den zwei Jungs, die etwa in meinem Alter sind, und lausche ihren Gesprächen. Sie erreichten gestern Abend mit krebsroten Köpfen die Hütte. Der größere schlanke blonde Kerl war sichtlich erschöpft. Der andere Kollege, dessen T-Shirt die Teilnahme an einem Marathon vermuten lies, attestierte seinem Mitstreiter eine tolle Leistung und fügte dem hinzu, dass sie ja Männer seien und keine Mädchenetappen gehen. Die Antwort seines Freundes blieb aus und Marathoni kündigte schon die nächste amtliche Etappe für morgen an. Zum Glück schritt Jürgen der Hüttenwirt ein, und empfahl Ihnen eine Unterkunft in Frauenau und den Aufstieg auf den Rachel für den übernächsten Tag. Erleichterung auf der einen Seite, Zähneknirschen auf der anderen Seite. Ich bin froh, dass ich aus meinen Touren der Vergangenheit gelernt habe und nicht mehr die Kilometer im Vordergrund stehen, sondern das Erleben und Genießen der Natur.

Ich wähle nicht wie die zwei Jungs den Weg über den Goldsteig nach Frauenau, sondern verlasse diesen zum ersten Mal und steige den Höllbachgsprengweg ab, weil mich der beschriebene Wasserfall und das bewaldete Felsmassiv unterhalb des großen Falkenstein reizt. Das leichte Rauschen, das man meist schon aus großer Entfernung hören kann, zieht mich seit den Touren in Norwegen und Island immer wieder an. Ich kann Stunden dem unbändigen Lauf des Wassers zu schauen und mir wird nie langweilig dabei. Aiko kennt das lediglich von Schafherden. Es beeindruckt mich wie das Flexibelste der vier Elemente Steine verformte und sich seinen Weg ins Tal sucht. Es ist nicht der eine spektakuläre Wasserfall, aber es gibt immer wieder schöne Treppen, wo sich gute Fotomotive finden. Bei einem Abschnitt tobe ich mich länger aus und hole mir einen nassen Fuß, aber nehme dafür auch ein schönes Foto mit nach Hause.

Der restliche Weg ist einfach, aber zieht sich ein wenig zäh auf breiten landschaftlich uninteressanten Forstwegen. Lediglich die Talsperre kurz vor Frauenau beeindruckt mich durch ihre Dimensionen und so erreichen wir ohne Pause bereits am frühen Nachmittag unsere Unterkunft in Frauenau. Leider nicht früh genug, denn die Bäckereien, die wir finden, haben Geschäftszeiten von 5 bis 12 Uhr. Auch die Metzgereien haben am Nachmittag nicht geöffnet und so trottet auch der gute Aiko ein wenig enttäuscht hinter mir durch einen Ort, der unter anderem für sein Glasmuseum bekannt ist. Da mein Begleiter mit seinem großen Staubwedel besser aufräumen würde als jeder Elefant haben wir verständlicherweise keinen Zutritt. Außerdem habe ich zu Hause auch nicht die passende Vitrine für all die bunten Gläser und unzähligen Nachbildungen bekannter und noch nicht bekannter Lebewesen aus Glas.

  1. Meinen größten Respekt und meine Anerkennung an euch beide für den Mut zu diesem Abenteuer. Es erweckt in mir die Sehnsucht, unsere Heimat auch mal genauer zu betrachten. Und ich beginne zu begreifen, wie toll es sein kann, nur sich selbst und seinen Hund zu haben. Hunde sind mir eh lieber als so manche Mitmenschen :) Kommst du denn auch durch die Nördliche Oberpfalz? Oder warst du vielleicht schon hier? Hier gibt es auch schönes zu sehen und es gibt sehr hundeliebe Gastgeber :) Viel Spaß noch weiterhin!

    • Liebe Dagmar,

      vielen Dank für deine schönen Worte! Aiko ist ein toller Kerl und es macht einfach großen Spaß mit ihm. In die Nördliche Oberpfalz kommen wir leider nicht mehr, obwohl ich da sehr nette Ecke recherchiert hatte. Wir sind jetzt schon zu weit im Westen der Republik.

      Liebe Grüße
      Jens

  2. sehr schön beschrieben. seit 40 jahren fahre ich – bin leider sehr schlecht zu fuß – mit meiner frau mindestens eine woche mit dem auto durch Deutschland. für uns gibt es kaum länder, die mehr als Deutschland zu bieten haben. und wir waren schon viel unterwegs.
    Nordsee, Ostsse, Flachland,Heide, Flüsse, Seen, Berge, Hochgebirge! was will der mensch noch mehr?

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