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Aiko im Paradies

In der verschlafenen Gemeinde Mihla an der Werra wird ein Nachtschattengewächs noch nach alter Tradition verwendet.

Auch wenn in meinem Reiseführer der Abschnitt von Falken nach Frankenroda als schönster Teil der Werra angepriesen wird, so entzückt mich der Weg von Creuzburg nach Buchenau noch mehr. Die Werra schlängelt sich durch eine canyonartige Landschaft, die per Kanu sicherlich noch beeindruckender ist. Neben dem Kanusport ist die Werra aber auch ein Eldorado für Radfahrer, deren Spuren wir heute auf dem Werratal Radweg folgen.

Als mich ein Radfahrer fragt, woher ich meinen Apfel habe, zeige ich auf die entfernten Bäume am Wegesrand. »Die sind noch nicht richtig reif, oder?« Bevor ich die Frage bejahen kann, öffnet er seinen Fahrradkorb und reicht mir drei Äpfel, die meine Äpfel wie in plastikgepackte Supermarkt-Äpfel erscheinen lassen.

Kurz nach 12 Uhr erreichen wir Mihla und haben uns bereits damit abgefunden, dass wir erst in drei Stunden die ansässige Fleischerei und Bäckerei besuchen können. Doch wir laufen der Verkäuferin der Fleischerei in die Arme und sie hat Mitleid mit uns bzw. Aiko. Sie schließt die Tür noch einmal auf und bittet uns beide in den Laden. Aiko macht einen Satz und ist mitten im Paradies. Ich kaufe zwei Bockwürste, die wir brüderlich teilen.

Das Zimmer in Mihla ist schäbig, aber die Kellnerin in Personalunion auch Köchin ist ein herzensguter Mensch. Obwohl ich der einzige Gast bin, lässt sie sich nicht davon abbringen mir eine warme Mahlzeit zu machen. Schnitzel, Spiegelei und Bratkartoffeln umrahmt von der hohen Kunst der Paprika-Dekoration. Einfache Zutaten, die mich aber zufrieden in einem verschlafenen Nest einschlafen lassen.

    • Ja, das grüne Band. Tolle Erfahrung, möchte ich nicht missen. Losgelaufen sind wir als das Getreide noch grün war, als wir von der Ostsee zurückgefahren sind, wurde es geerntet. Schon eigenartig. Interessant war auch wie die Gegenden sich innerhalb eines Tages ( immer zw 20–35km/Tag) ändern können.

      Wie gesagt, viel Spaß und frei nach dem Rennsteig Motto »Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich.«

  1. Tag 5 und du isst schon das zweite Mal Bratkartoffeln.
    Heimliche Leidenschaft für Bratkartoffeln? :)

    Wurde gerade von meiner Freundin auf das Tagebuch aufmerksam gemacht.
    Bin beeindruckt – ich mag die Mission – ich mag die Fotos – ich mag die Texte.

    Werde es weiterhin verfolgen.
    Vielleicht verschlägt es dich ja auch nach Münster…

    Liebe Grüße,
    Nancy

    • Hallo Nancy,

      jetzt hast Du mich erwischt! ;) Eigentlich ist es reiner Zufall, aber nach einem Wandertag sind gut gemachte Bratkartoffeln immer willkommen.

      Vielen Dank für das tolle Lob und die nächsten Beiträge folgen in Kürze.

      Liebe Grüße
      Jens

  2. Hallo Jens,
    gerade kam über Facebook via Freistaat Thüringen der Tipp bzgl. deiner 100 Tage durch Deutschland mit Aiko; wunderschöne Fotos, kurzweilig geschrieben und für Aiko war es sicher auch fast wie ein Traum, so viel Auslauf haben zu dürfen. Zunächst habe ich deinen Blogg nur überflogen, heute Abend werde ich bei ganz viel Zeit “richtig” reinschauen und es wie einen guten Film genießen … Thüringen als meine Heimat, die ich vor einigen Jahren aus beruflichen Gründen verlassen musste, wird mich hier um so mehr fesseln mit den tollen Aufnahmen und Berichten. Dein Buch steht auch schon auf meiner “To-Do-Liste”. Alles Gute für deine weiteren “Träume” mit Aiko :-) Liebe Grüße, Beate

    • Hallo Jens,

      nun steht dein Buch nicht mehr, wie oben noch angegeben, auf meiner To-Do-Liste: Bei meinem Herbsturlaub in der Heimat habe ich es als Willkommensgeschenk erhalten :-) (neben einem Etappen-Wanderführer für den Rennsteig; den möchte ich nämlich kommenden Sommer / Anfang Herbst ganz alleine bewandern am Stück). In Thüringen haben wir auch den Hainich-Nationalpark mit seinem Baumkronenpfad besucht: ist schon herrlich, über den herbstlichen Baumkronen zu “stehen”. Auch die anschließende kleine Wanderung fernab des Besucheransturms im Hainich war wunderschön. Dein Buch zeigt, dass Deutschland wunderschön ist.

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